Toskana

Die Toskana hatten wir eigentlich gar nicht auf dem Schirm. In den Balkan sollte es gehen – ein Revival anlässlich des Kupplungsschadens unseres Kumpels Chris am ersten Tag der letzten Tour. Wir hatten schon die traumhafte Jadranska Magistrala im Kroatien, die Berge Montenegros und die gastfreundlichen Menschen im Kosovo vor dem inneren Auge. Doch 2020 sollte uns allen einen Strich durch die Rechnung ziehen. Die Corona-Krise warf alle Reisepläne über Bord und lange sah es danach aus, dass wir dieses Jahr den Urlaub zu Hause verbringen müssen. Wir mussten also umplanen. Nach Grenzöffnung im EU-Raum war klar, dass der Balkan ausscheidet, jedoch andere Ziele möglich sind. Da wir noch nie den Apennin mit Motorrädern bereist haben, entschieden wir uns letztlich für Italien. Wir beschlossen es dieses Mal ruhig angehen zu lassen und uns ohne große Routenplanung treiben zu lassen.

 

Tag 1: Anreise

Auch wenn wir nur nach Italien fahren, am ersten Tag ist Kilometer fressen angesagt. Früh am Morgen starten wir in unserer niederbayerischen Heimat und sind bald auf der Autobahn in Richtung München. Auch den Brenner überqueren per Autobahn. Der Pass an sich ist nichts Besonderes. Bei Sterzing verlassen wir schließlich die italienische Schnellstraße und nehmen den Jaufenpass unter die Räder. Auch wenn der Belag nicht mehr der beste ist, als Vorgeschmack auf das südtiroler Pässeparadies ist er immer wieder eine Freude. Spätestens ab hier ist Urlaub, selbst wenn wir die Dolomiten links liegen lassen. Weiter gehts auf den kurvigen SS 238 und SS 239. Tagesziel sollte der Gardasee sein. Wir mussten jedoch feststellen, dass auch in Zeiten von Corona die Hauptreisezeit für Urlauber sorgt. Kurzerhand entscheiden wir uns, den Lago d’Idro anzufahren. Also folgen wir dem Westufer und finden im Campingplatz Pilu‘ ein adäquates Nachtlager. Nach einem ersten Bier und gewohnt zügigem Zeltaufbau wollen wir die erste Pizza des Urlaubs genießen. In einer nahegelegenen Pizzeria werden wir zwar satt, besonders lecker war es jedoch nicht wirklich. Da sollten wir noch ganz andere kulinarische Hochgenüsse erleben dürfen.

 

Tag 2: Idrosee – Lago di Gramolazzo

Bei Sonnenaufgang zeigt sich der Idrosee ganz unerwartet von seiner schönsten Seite. Als die Sonne langsam hinter den Hügeln erscheint, taucht sie den See in ein atemberaubendes Schattenspiel. Zwischen den fast schwarzen Hügeln glitzert uns die Seeoberfläche hell und funkelnd an. Hier genießen wir den ersten Kaffee des Tages und erfreuen uns an dem Lichtspiel, bis uns die Augustsonne zur Abfahrt zwingt. Gnadenlos brennt sie auf mein haarloses Haupt. Also bauen wir schnell ab, um etwas Fahrtwind abzubekommen.

Zunächst noch auf schönen und kurvigen Straßen, sollten wir bald darauf den größten Fehler der Tour machen. Wir durchqueren die Po-Ebene auf der Landstraße. Nicht schlimm genug, dass diese Geradeausfahrt über drei Stunden dauert, ist es dort trostloser als in manch ukrainischem Hinterland. Drei Stunden geradeaus also, bei sengender Hitze und nichts zu sehen außer verbrannter Erde und verfallener Häuser. Hier zeigt sich Italien tatsächlich von seiner hässlichsten Seite. Auch der Müll, den ich bereits aus Urlauben im Kindheitsalter kenne, liegt nach wie vor unberührt am Straßenrand. Wir trösten uns damit, dass man alles einmal gesehen haben muss, um mitreden zu können. Jetzt wissen wir zumindest, dass wir in der Po-Ebene nie wieder die Autobahn verlassen werden.

Ab Reggio Emilia wird’s langsam wieder spannender. Sanft erhebt sich vor uns der Apennin und lädt dazu ein, die Kanten der Reifen ein wenig in Form zu bringen. Der SS 63 folgen wir in inzwischen alpinerem Gelände bis Fivizzano. Die Straße ist gut und kurvig. Außerdem beglückt sie uns mit wenig Verkehr. Ganz vergessen ist die Po-Ebene zwar noch nicht, aber die SS 63 wirkt deutlich stimmungsaufhellend. Bei Fivizzano drehen wir nach Osten ab und folgen den engen Bergsträßchen bis zum Lago di Gramolazzo. Direkt am See finden wir den Campingplatz Lago Apuane. Nach der verpatzten Pizza am Vorabend, wollen wir Überraschungen vermeiden und beschließen daher zu grillen. Das läuft für uns auch super. Während Chris grillt, schauen Hannes und ich belustigt dem teils grausigen Treiben der anderen Griller zu. Zum Glück ist ein hilfsbereiter Rumäne vor Ort, der sich kurzerhand selbst zum Grillkönig gekrönt hat und eifrig allen anderen zur Hilfe eilt. Bei manch einem wird’s trotzdem nichts mit dem Barbecue. Zumindest fragen wir uns, warum er eine Pfanne auf die Kohlen stellt, statt das Fleisch auf den Rost zu legen. Andere Länder, andere Sitten...

Als wir später stark überfressen Wein aus unseren Alubechern trinken, erleben wir ein weiteres Lichtspiel: die „Chiesa e campanile di avvistamento“, eine Kirche auf einem Berg direkt am See, ist eindrucksvoll in der italienischen Trikolore beleuchtet. Spätestens jetzt ist das Urlaubsfeeling bei allen drei vollends angekommen.

 

Tag 3: Lago di Gramolazzo – Elba

Aus einer Laune heraus haben wir uns am Abend zuvor entschlossen, spontan auf Elba überzusetzen. Die Insellandschaft soll dort legendär sein und immerhin sollte es ein Spontanurlaub werden. Also machen wir uns auf SR 445 auf in Richtung Süden. Zufällig kommen wir dabei an der Ponte della Maddalena in Borgo a Mozzano vorbei. Die auch Ponte del Diavolo genannten Steinbogenbrücke aus dem 14. Jahrhundert überspannt majestätisch den Fluss Serchio. Das grüne Wasser und die bewaldeten Hügel im Hintergrund verpassen dem Fotomotiv die richtige Stimmung. So machen auch wir hier unsere erste Pause und schießen ein paar Erinnerungsfotos. Während der kurzen Fahrtunterbrechung kommt es zu einer weiteren Spontanentscheidung: wir wollen den Schiefen Turm von Pisa sehen. Kurzerhand fahren wir also bei Lucca nicht nach Süden, sondern ins westlich gelegene Pisa. Bei San Giuliano Terme überrascht uns plötzlich ein spektakuläres Panorama. Als wir in einigen Metern über Null den Wald verlassen, macht sich unter uns eine weitläufige Ebene breit. Von unserem Standpunkt aus können wir diese bis zum Meer überblicken. Sogar Pisa und den zugehörigen Turm kann man erkennen. Animiert von der Aussicht machen wir auf den Weg durch die Ebene bis Pisa. Dort erleiden wir jedoch einen kleinen Kulturschock. Nach zwei Tagen Abgeschiedenheit machen sich hier die Touristenmassen erbarmungslos breit. Die Suche nach dem Turm im Stadtverkehr führt zu einem Beinaheunfall, als ich plötzlich bremse und nach links abbiegen will. Solche spontanen Aktionen sollte man sich im dichten Verkehr sparen. Zu allem Überfluss ist die Straße gesperrt. Wir müssten also im Chaos parken, einige Meter zu Fuß gehen und hoffen, dass bei der Rückkehr die Motorräder samt Gepäck noch an Ort und Stelle sind. Unser begrenztes kulturhistorisches Interesse geht daher schnell gegen Null. Als wir während der Fahrt entlang der Stadtmauer für den Bruchteil einer Sekunde einen Blick auf die Spitze des krummen Turms erhaschen, beschließen wir sogleich weiter zu fahren. Schließlich haben wir gesehen, was wir sehen wollten. Man möge uns unsere Ignoranz verzeihen.

Schnell raus aus der Ebene und zurück in die Berge. Wir folgen der SR 439 in Richtung Süden. Immer wieder lassen sich hier typische Toskana-Landschaften erleben. Auch die allseits bekannten Villen mit den Zypressenalleen finden wir. Einziger Wehrmutstropfen: nach Wochen um die 40 Grad ist Landschaft fast völlig verbrannt. Die sanfte Hügellandschaft ist in ein monotones Ocker getaucht. Das macht die Fahrerei auf Dauer monoton und wir freuen uns auf Abwechslung.

Wir steuern den Hafen in Piombino an und müssen uns aufgrund diverser Linien und Preise erst orientieren. Schließlich entscheiden wir uns für die kürzeste und günstigste Fährlinie nach Rio Marina. Für nur 29 € pro Person inklusive Motorrad setzen wir eine später über. Die Fahrt selbst nimmt 45 Minuten in Anspruch. Nun gilt es noch einen Campingplatz zu finden. Womit wir jedoch nicht gerechnet haben: die Insel, die eine Woche zuvor noch quasi menschenleer war, ist jetzt mit Touristen geflutet. Der Verkehr ist die Hölle und lenkt von der wunderschönen Küstenlandschaft ab. Auch die Campingplatzsuche gestaltet sich schwierig. Viele sind ausgebucht und die Preise sind horrend. Letztlich haben wir keine Wahl und wir buchen uns auf dem Campingplatz „Arrighi“ in Porto Azzuro für schlappe 90 € ein. Dafür werden wir aber mit einem Stellplatz direkt am Meer belohnt. Diese Einladung zur dringend notwendigen Abkühlung nehmen wir gerne an. Spät am Abend schnappen wir uns unsere Kinderklappstühle und lassen den Tag am Strand mit ein paar Bier ausklingen.

 

Tag 4: Elba – Volterra

Am vierten Tag unserer Reise wollen wir Elba umrunden und anschließend wieder auf das Festland übersetzen. Gegen den Uhrzeigersinn – damit man keine Autos zwischen sich und der Küste hat – starten wir in Richtung Cavo. Dort wollen wir weiter nach Portoferraio. Nach einem kurzen Umweg, weil wir uns verfahren haben, schaffen wir es auch die richtige Straße zu finden. Die Straßen und die Aussicht auf die Küstenlandschaften wären bezaubernd, wäre da nicht der Verkehr. Wir haben den Eindruck, dass sich eine geschlossene Auto- und Lkw-Schlange um die Insel zieht. Wir kommen kaum vom Fleck und müssen erneut feststellen, dass die Hauptreisezeit trotz Corona mit großen Einschränkungen bezüglich des Fahrspaßes einhergeht. Gegen Mittag haben wir die Schnauze voll. So schön die Insel auch ist, es macht uns einfach keinen Spaß mehr. Kurzerhand entscheiden wir uns zurück nach Rio Marina zu fahren und auf die nächste Fähre zu warten. Dabei erleben wir einen schönsten Streckenabschnitte Elbas. Auf der SP 32 von Magazzini bis Rio Marina schraubt sich eine wunderbar kurvige Straße in die Höhe. Diese führt mitten durch den bergigen Nordostzipfel der Insel und wartet mit perfektem Straßenbelag, kaum Verkehr, beeindruckenden Panoramen, kargen Felslandschaften und dem imposanten Castello del Volterraio auf. Definitiv ein Highlight der Insel, auch wenn wir den Süden nicht beurteilen können.

Die Überfahrt nach Piombino ist sogar noch günstiger als am Vortag und schnell erledigt. Da wir die SR 439 bereits kennen, befahren wir die kleineren Straßen etwas weiter westlich. Über Suvereto und Serrazzone lassen wir uns durch idyllisch toskanische Landschaften treiben, bis wir wieder auf die SR treffen. Von dort aus fahren wir weiter zum weltberühmten Volterra. Vor allem durch die Twighlight-Saga, in der Volterra als Drehort fungiert, erreichte die Stadt hohen Bekanntheitsgrad. Wir werden uns morgen darum kümmern. Jetzt sind haben wir nämlich Hunger und es verlangt uns nach einem Bierchen. Nahe der Stadt finden wir dem Campingplatz „Le Balze“, wo wir unser Nachtlager aufschlagen.

 

Tag 5: Volterra – Bosco Chiesanuova

Nachdem wir Volterra tags zuvor lediglich im Vorbeifahren bewundern konnten, wollen wir den Tag mit einer kurzen Besichtigung starten. Dies gebührt zwar nicht der Aufmerksamkeit, die die Stadt verdient, trotzdem bekommen wir einen Einblick in die historische Altstadt. Volterra entstammt einer etruskischen Siedlung aus dem 4. Jahrhundert. Auch die Etrusker waren es, welche die eindrucksvolle, sieben Kilometer lange Ringmauer erbauten. Altehrwürdige Bauten und der Piazza dei Priori entführen uns in eine längst vergangene Zeit. Auf der Via di Porta a Selci überblickt man gefühlt die ganze Toskana. Abgerundet wird der Ausblick durch die unterhalb liegenden, altertümlichen Gebäude und Dächer. An dieser Stelle verweilen wir länger als geplant, gönnen uns tre Cappuccini e brioche und würden gern noch tiefer eintauchen in den Zauber der Etruskerstadt. Aber wir müssen oder wollen weiter.

 

Bis Florenz erleben wir gewohnt hügelige Toskana-Landschaften. Auch wenn uns die Hitze zu schaffen macht, haben wir zumindest die Straßen für uns allein. Hinter Florenz nehmen wir Nebenstraßen in Richtung Bologna. Hier zeigt sich der Apennin nochmal von seiner besten Seite. Kurvige Straßen in leicht alpiner Landschaft beglücken uns. Der italienische Gebirgszug lädt durchaus zum Motorradfahren ein. Ab Bologna ist jedoch Autobahn angesagt. Nochmal auf Landstraßen durch die Po-Ebene kommt nicht in Frage. Wir fahren also schnurstracks nach Modena und auf der A 22 in Richtung Norden. Bei Verona verlassen wir die Autobahn schließlich und fahren weiter in Parco Naturale Regionale della Lessinia östlich des Gardasees.

 

Hier folgt eine der größten Überraschungen der Tour. Der Nationalpark ist kaum befahren, trotz seiner Nähe zum Gardasee. Er wartet mit wunderschönen Landschaften auf, in denen sich Gräser und Felsen abwechseln. Kaum ein Dorf unterbricht den Kurvenrausch. Und wenn doch, dann findet man sich in charmanten und kleinen, aber hübschen Bergdörfern wieder. Der Park gefällt uns auf Anhieb so sehr, dass wir ihn zum absoluten Höhepunkt unserer Tour erklären. Auch der Campingplatz „Branchetto“ in Bosco Chiesanuova begeistert uns. Hier können wir endlich kaltes Bier genießen, was die Tage zuvor kaum möglich war. Außerdem reicht uns die Gastgeberin zur Begrüßung kostenlose Häppchen. Ganz zufällig erleben wir hier auch unseren kulinarischen Höhepunkt. Nur 100 Meter vom Campingplatz befindet sich das Restaurant „Rifugio Branchetto“. Freundlicherweise reserviert uns eine am Campingplatz arbeitende Schottin einen Platz im Gasthaus, da dieses offensichtlich kein Geheimtipp mehr ist. Es gibt dort keine klassische Karte, sondern täglich wechselnde Gerichte, die von der Chefin vorgetragen werden. Wir verstehen natürlich kein Wort. Daher einigen wir uns darauf, dass wir sowohl primi piatti als auch secondi piatti frei nach Gusto der erfreuten Chefin bestellen. Leider kann ich nicht mehr wiedergeben, was uns präsentiert wurde, aber es war ein Gedicht. Neben den weltbesten Gnocchi und Pasta essen wir bestes Pferdefleisch mit diversen Beilagen. Wer die Möglichkeit hat, muss hier einmal gegessen haben. Abgerundet wird unser luxuriöses Mahl mit Espresso und einem milden Grappa. Nicht luxuriös ist dabei der Preis. Entgegen unserer Erwartungen zahlen wir summa summarum samt Bier und Wein keine 90 €. Nach einem kurzen Smalltalk mit dem Chef des Hauses gehen wir warm eingepackt zurück zum Campingplatz. Entgegen der Tage zuvor kühlt es hier oben auch im August auf gerade mal neun Grad ab. Endlich lohnen sich die Jacke im Gepäck und der Daunenschlafsack.

 

Tag 6: Bosco Chiesanuova – Passeiertal

Der vorletzte Tag unserer Tour bricht an. Weil es uns hier so gut gefällt, drehen wir noch eine Runde im Nationalpark. Dann drehen wir Richtung Schio und Bassano del Grappa ab. Um der nach Norden führenden SS 12 weitgehend zu entgehen, wollten wir über den Rollepass ausweichen. Wettertechnisch sollte sich das als weitere Fehlentscheidung herausstellen. Kurz vor Beginn des Passes müssen wir die Regenklamotte überziehen. Dunkle Wolken breiten sich vor uns aus und bald beginnt es zu regnen. Richtig ungemütlich wird es dann auf der Passhöhe. Wir quälen uns durch das beängstigende Zentrum eines Gewitters. Der Starkregen sorgt für Sichtweiten unter fünf Metern. Aber wir haben keine Wahl und müssen da durch. Nach einer kurzen Pause also weiter im Dauerregen. Zumindest das Unwetter können wir hinter uns lassen, so dass wir keine Angst mehr haben müssen vom Blitz getroffen zu werden. Schließlich treffen wir bei Neumarkt auf die A 22 und folgen dieser – inzwischen nur noch im Nieselregen – nach Bozen. Dort biegen wir Richtung Meran und Passeiertal ab, wo mit dem „Camping Passeier“ ein außergewöhnlicher Campingplatz auf uns wartet. Nicht nur dass es pünktlich bei Eintreffen aufhört zu regnen, wartet dieser mit einem sehr guten Restaurant und einem perfekt sortierten Supermarkt auf. Nur für den Pool ist es zu kalt. Hier bestellen wir wieder Pizza und sind gottlob begeistert. Außerdem gibt es gekühltes Bier, was will man mehr.

 

Tag 7: Heimreise

Als Hannes und ich noch tief schlummern, steht Chris schon auf dem Jaufenpass und genießt den Sonnenaufgang auf der Passhöhe. Er muss um 11 Uhr zu Hause sein, was den frühen Start erklärt. Wir hingegen lassen es gemütlicher angehen. Frühstück mit ausreichend Kaffee, langsam abbauen und packen, bis wir ebenfalls in Richtung Heimat aufbrechen. Nochmal geht es auch für uns über den Jaufen, der allerdings gespickt ist mit überambitionierten „4-Zylinder-Sportlern“, Rennradfahrern und Wohnmobilen. Nicht wenige der entgegenkommenden Motorradfahrer bewegen sich ganz offensichtlich am Limit ihrer eigenen Fähigkeiten. Andres kann ich mir die Masse der auf meinem Fahrsteifen entgegenkommenden Zweiradgenossen nicht erklären. Die Überholmanöver gar nicht zu erwähnen. Ich halte mich persönlich nicht für einen besonders großen Moralapostel, aber man braucht sich nicht wundern, dass die Rufe der Anwohner nach Streckensperrungen immer lauter werden. Der allgegenwärtige Klappenauspuff (den auch ich an der BMW fahren muss) tut sein übriges. Auch ich bin kein Fan von Sperrungen. Daher ende ich ausnahmsweise philosophisch: Ein bisschen mehr Rücksichtnahme einerseits und ein bisschen mehr „leben und leben lassen“ andererseits würde viele Maßnahmen völlig unnötig machen.

Trotzdem genossen wir jede Minute der Tour. Vor allem die stressfreie Art und Weise des Reisens, ohne großes Planen, sich einfach Treiben lassen, hat uns zu den Wurzeln des Tourenfahrens zurückgebracht.